Der Tanz ins neue Jahr … 2020

»Morbach’s Klassik Musik Laden« (26)
Eine klingende Geschichte der europäischen Tanzmusik 1250 – 1850


Die Zeit des Jahreswechsel ist für einen Klassik-Hörer offenbar eine ganz besondere: Man lebt in spannender Erwartung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker, genießt in diesem Musik von Johann Strauß & Co. und fiebert möglicherweise einer CD-Veröffentlichung desselben entgegen, die zeitnah zu erscheinen pflegt. Mein Angebot am Jahreswechsel korrespondiert mit diesem saisonal verstärkten Interesse an Tanzmusik. Meine klingende Geschichte dieses besonderen Genres der abendländischen Komposition beginnt im 13. Jahrhundert, in dem uns Tanzmusik erstmals in notenschriftlichen Quellen entgegentritt. Ihr wesentliches Kennzeichen über die Jahrhunderte ist übrigens, dass sie weniger nach Noten, sondern vornehmlich improvisatorisch ausgeführt wurde.

Die Mitglieder einer höfischen »Tanzband« des 17. Jahrhunderts
zum Beispiel hatten in der Regel nur ein Notenblatt mit einer einstimmigen Tanzmelodie vor sich. Und jedes Mitglied wusste, wie man damit mit improvisatorisch umgehen musste.
Zuerst möchte ich einen zusammenhängenden Überblick über die 700- jährige Geschichte der europäischen Tanzmusik anbieten (wobei schon diese Collage eine gewisse Einzigartigkeit für sich in Anspruch nehmen dürfte), worauf ich selbige dann in acht Einzelkapitel untergliedere. Das letzte führt uns in das vergnügungssüchtige Wien des Biedermeier mit
seiner großen Anzahl Ballsälen, wo die Tanzmusik etwa durch die Mitglieder der Strauß-Familie eine deutliche künstlerische Aufwertung erfuhr.


Und es entstand jenes Repertoire, welches heutzutage alljährlich am 1. Jänner in Wien zum Gegenstand einer rein konzertanten Aufführung gemacht wird, die jedoch die ursprünglichen Funktion dieser Musik, den Gesellschaftstanz zu begleiten, eher karikiert.


Dienstag, 31. Dezember: 18 Uhr – 20 Uhr
Mittwoch, 1. Januar: 12 Uhr – 14 Uhr
Donnerstag, 2. Januar: 22 Uhr – 24 Uhr Sonntag, 5. Januar um 22 Uhr – 24 Uhr

Morbachs Klassik Musik Laden mit Bernhard Morbach

»Morbach’s Klassik Musik Laden« (25)

Weihnachtsmusik aus Renaissance & Barock

Lassen Sie sich durch den Weihnachtsmonat mit dem musikalisch Edelsten

aus diesem vielfältigen Segment der europäischen Musikgeschichte begleiten,

dargeboten von den besten Ensembles unserer Zeit! 

4. Folge

Dienstag, 24. Dezember, 18 Uhr – 20 Uhr 
Mittwoch, 25. Dezember, 12 Uhr – 14 Uhr
Donnerstag, 26. Dezember, 22 Uhr – 24 Uhr

»Es begab sich aber zu der Zeit…«

Deutsche Weihnachtsmusik des 17. Jahrhunderts

Kompositionen von Heinrich Schütz, Michael Praetorius, Thomas Selle, Johann H. Schein und Sebastian Knüpfer. Den musikalischen Rahmen bilden weihnachtliche Orgelchoräle und Choralfantasien von Dietrich Buxtehude.

Wenn man einen deutschen Klassik-Liebhaber bittet, er möge das Weihnachtsfest mit Musik in Verbindung bringen, so fällt ihm natürlich sogleich das Weihnachtsoratorium, vielleicht noch die Weihnachtskantate Christen, ätzet diesen Tag in Metall und Marmorsteine von Johann Sebastian Bach ein. Nun haben aber auch viele Zeitgenossen des Thomaskantors in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts diese Genres mit hervorragenden Kompositionen beliefert, die aber im Konzertleben und medial kaum präsent sind. Noch viel weniger dürfte im allgemeinen musikgeschichtlichen Bewusstsein verankert sein, dass gerade das 17. Jahrhundert in Deutschland die ›große Zeit‹ der kompositorisch kunstvoll gestalteten Weihnachtmusik war, wobei das protestantische Kirchenlied vielfach die Grundlage der Kompositionen bildet. Zur Zier der Weihnachtsgottesdienste entstanden einfache, strophische Chorsätze und festliche, reich instrumentierte »Choralkonzerte«. Besonders prachtvolle Kompositionen befinden sich in der Sammlung Polyhymnia Caduceatrix et Panegyrica (1613) von Michael Praetorius, der als Kapellmeister und Wolfenbüttel am kursächsischen Hof in Dresden wirkte. Von 1615 an bekleidete Heinrich Schütz letzteres Amt, das zu den lukrativsten Jobs in der Musikwelt des 17. Jahrhunderts zählte. Für den Dresdner Hof komponierte Schütz 1660 seine Historia der freuden- und gnadenreichen Geburt Gottes und Marien Sohnes Jesu Christi. Dieses Werk, das eher bekannt ist unter seinem Kurztitel Weihnachtshistorie, gehört zu bedeutendsten Werken Schütz’, der von seinen Zeitgenossen als ›Vater der deutschen Musik‹ apostrophiert wurde. Grundsätzlich unterscheidet sie sich von dem Weihnachtsoratorium Bachs dadurch, dass Schütz nur Bibeltexte vertont, und zwar die Berichte der Evangelisten Lucas und Matthäus über Geburt und frühe Kindheit Jesu Christi. Ganz ähnlich verfährt Thomas Selle in seiner Komposition Es begab sich aber zu der Zeit, die ebenfalls zu hören sein wird. Selle wurde 1641 Kantor am Johanneum und Musikdirektor der vier Hauptkirchen Hamburgs, ebenfalls ein musikalischer ›Traumjob‹ im frühbarocken Deutschland.